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Geschichte

Die erste Beschreibung einer „Triggerpunkt-Akupunktur“ stammt aus dem 17. Jahrhundert. Ein Militärarzt der Holländischen Ostindien-Handelsgesellschaft, Willem ten Rhijne, beschrieb die Akupunktur-Behandlung eines japanischen Soldaten auf Java. Dieser hatte immer wieder heftige Bauchschmerzen und konnte durch die Nadelung des linken Oberbauchmuskels von seinen Schmerzen befreit werden.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1821 bis 1828) berichteten mehrere Ärzte in Europa und Amerika von beeindruckenden Therapieerfolgen bei Rückenschmerzen. Sie behandelten ihre Patienten nicht nach den Regeln der traditionellen chinesischen Akupunktur, sondern brachten die Nadeln ausschließlich in schmerzhafte Stellen der Rückenmuskulatur ein. Heute weiß man, dass in dieser Region wichtige Triggerpunkte der oberflächlichen und tiefen Rückenmuskeln liegen. Die Nadelung dieser Triggerpunkte ist bei Rückenschmerzen besonders wirksam.

Etwa 100 Jahre später fanden Ärzte bei der Untersuchung von Patienten mit Beinschmerzen druckschmerzhafte Muskeln in deutlicher Entfernung vom eigentlichen Schmerzort.

Die ersten systematischen Untersuchungen zu muskulären Übertragungsschmerzen wurden 1938 von Dr. Kellgren in London veröffentlicht. Er konnte wissenschaftlich nachweisen, dass für viele Schmerzen ein Zusammenhang mit bestimmten druckschmerzhaften Muskeln besteht. Durch die Injektion eines örtlichen Betäubungsmittels in diese Muskelregionen ließen sich die Schmerzen der Patienten deutlich lindern.

In Amerika wurde Frau Dr. Travell auf diese Arbeiten aufmerksam und fand durch umfangreiche Untersuchungen heraus, dass muskuläre Verspannungszentren (Triggerpunkte) überaus häufig die Ursache für eine Vielzahl von Schmerzen sind. Sie war in der Behandlung ihrer Schmerzpatienten derart erfolgreich, dass sie während der Amtszeit zweier amerikanischer Präsidenten im „Weißen Haus“ Schmerzbehandlungen durchführte.

Zusammen mit Prof. David Simons erstellte sie in der 2. Hälfte des 20. JH für fast alle Muskeln detaillierte Schmerzkarten. Neben umfangreichen Abhandlungen über Diagnostik und Therapie der Triggerpunkte sind diese Karten Bestandteil eines 2-bändigen Lehrbuches geworden, dem epochalen „Handbuch der Muskeltriggerpunkte“.

Mehrere Jahrzehnte war neben Dehntechniken die Injektion eines örtlichen Betäubungsmittels die Behandlung der Wahl in der Triggerpunkt-Medizin. Durch wissenschaftliche Untersuchungen konnte jedoch gezeigt werden, dass die schmerzlindernde Wirkung nicht von der Substanz abhängt, die in den Triggerpunkt injiziert wird.

Es stellte sich vielmehr heraus, dass es der Reiz der Nadel im Triggerpunkt ist, der die schmerzlindernde Wirkung auslöst. Dieses „trockene Nadeln“ war den Injektionsverfahren nicht nur ebenbürtig, sondern oft sogar deutlich überlegen.

Später wurden Akupunkturnadeln anstelle der Injektionskanülen zur Behandlung eingesetzt. Damit wurde aus der Triggerpunkt-Injektion die Triggerpunkt-Akupunktur, die sich zunehmend als hocheffektiver Standard durchsetzt.

Von einer allgemeinen Akzeptanz dieser Behandlungsmethode zum Wohle unserer Patienten sind wir aber noch weit entfernt. Gleichwohl bleibt zu hoffen, dass mit der Akupunktur nach Tastbefund der Muskulatur westlich ausgebildete Mediziner für diese faszinierende Behandlungsoption in der Schmerztherapie zu gewinnen sind.

Für diese Hoffnung gibt es positive Entwicklungen.

So konnte Prof. Mense (Institut für Anatomie und Zellbiologie III der Uni Heidelberg) durch seine Grundlagenforschung viele Aspekte der praktischen Triggerpunkt-Therapie in den letzten Jahren naturwissenschaftlich untermauern.

Auch haben bereits namhafte Autoren durch ihre Veröffentlichungen und Lehrbücher zur Verbreitung der Triggerpunkt-Behandlung beigetragen wie z.B.: Baldry (England), Davies (USA), Dejung (Schweiz), Gunn (Kanada), Irnich (Deutschland), Lewit (Tschechien), Pöntinen (Finnland), Seem (USA), Simons (USA), Travell (USA).

Zur weiteren Förderung von Bewusstsein, Interesse und Akzeptanz in der Bevölkerung sowie bei ärztlichen und nicht-ärztlichen Therapeuten wurden 2009 die Deutsche Gesellschaft für Triggerpunkt-Auflösung zur Schmerzbehandlung (DGTriAS e.V.) und 2010 der Verlag für Triggerpunkt-Medizin (Trigger&Kohls) in Wiehl gegründet.

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